Kaum ein Thema wühlte die Gemüter in der abgelaufenen Transferperiode derart auf, wie die Situation um Aarón Anselmino. Der junge Verteidiger wurde vom FC Chelsea nach London zurückbeordert. Und schuldlos sind die BVB-Verantwortlichen daran wohl nicht.
Aarón Anselmino wechselte Ende August per Leihe vom FC Chelsea zu Borussia Dortmund. Gleich zu Beginn der Saison zog sich der junge Argentinier eine Verletzung zu, ehe er sich in die erste Elf unter Trainer Niko Kovac spielte. Es folgte eine weitere Auszeit, der Oberschenkel war betroffen. Fast den gesamten Dezember bis Ende Januar musste Anselmino zuschauen.
Dennoch waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass der 20-Jährige herausragendes Potenzial mitbringt. Und Sportdirektor Sebastian Kehl sah sich Ende November dazu genötigt, öffentlich die Hoffnung zu schüren, Anselmino könne über die Dauer der Leihe hinaus ein Schwarz-Gelber bleiben. Wie sich am Ende herausstellen sollte, ein fataler Fehler.
Ein Interview als Auslöser?
„Jetzt werde ich in den nächsten Tagen mal den Hörer in die Hand nehmen. Wir haben natürlich einen guten Draht zu diesem Klub. Wir hoffen, dass er noch weiter bleibt“, zitierten die ‚Ruhr Nachrichten‘ den BVB-Funktionär damals. Womöglich waren es genau die Worte, die Anselminos Arbeitgeber Chelsea dazu animierten, den Youngster nach London zurückzurufen.
Wie Fabrizio Romano und die ‚BBC‘ berichten, mochten es die Bosse der Blues nicht, dass BVB-Verantwortliche öffentlich über einen langfristigen Verbleib von Anselmino an der Strobelallee philosophierten. In den Verhandlungen zur Leihe soll von Seiten der Londoner klargemacht worden sein, dass man langfristig mit Anselmino plant und ihn keinesfalls fest abgeben will. Deshalb wurde den Borussen auch nicht die Möglichkeit eingeräumt, eine Kaufoption in den Deal zu integrieren.
Die Reaktion der Engländer war hart und als Denkzettel gemeint. Drei Stunden vor Ablauf der Option brach Chelsea die Leihe ab und beorderte das Abwehrjuwel zurück auf die Insel. In Dortmund reagierte man dem Vernehmen nach überrascht und verärgert auf das Verhalten des Premier League-Vertreters. Mit guter Kommunikation hätte sich die Situation mit Sicherheit angenehmer für alle Seiten gestalten lassen. Doch offenbar war das gar nicht die Intention der handelnden Personen von Chelsea.
Mit Kritik wird nicht gegeizt
Im Nachgang hagelte es Kritik an Kehl, Geschäftsführer Lars Ricken und Simon Rödder, der als Referent Geschäftsführer Sport und Stabstelle Verhandlungsführung fungiert. Ohne die Rückholklausel hätte der BVB den Zuschlag für Anselmino wohl nicht bekommen. Fraglich, warum Kehl sich dann im vollständigen Wissen über die gesamte Situation überhaupt zu öffentlichen Aussagen rund um das Thema Festverpflichtung hat hinreißen lassen.
Klar ist auch, dass die Klausel verfallen wäre, wenn Anselmino bis Ende des Jahres 2025 auf 1000 Spielminuten gekommen wäre. Verletzungen verhinderten dieses Szenario jedoch. Auch das war den BVB-Verantwortlichen selbstverständlich durchgehend bewusst. Und so hätte man sich zumindest im Hintergrund auf einen kurzfristigen Abgang von Anselmino vorbereiten müssen.
Abgang absehbar?
Nach ‚Sky‘-Informationen wurde nach der Partie gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) am 19. Dezember im Verein intern durchaus darüber gesprochen, dass Anselmino abgezogen werden könnte. Ein Abschied war Thema in der Kabine, heißt es. Und doch wirkten Kehl, Ricken und Co. unvorbereitet, als besagtes Szenario eintrat.
Nach dem gestrigen Deadline Day lässt sich feststellen, dass es wohl keinen klaren Plan B in der Chefetage gab. Ein solcher hätte schon nach der Partie gegen Gladbach in die Wege geleitet werden können. Spätestens am 26. Januar – immerhin noch eine ganze Woche vor Ende des Transferfensters – als Chelsea die Option zog, hätten die Manager des Tabellenzweiten aktiv werden können.
Schnöder Deadline Day
Geschehen ist nichts. Ein neuer Innenverteidiger wurde nicht verpflichtet. Und das, obwohl sich kurzfristig auch noch Filippo Mané (20) verletzt hatte. Die zwischenzeitlich kolportierte Rückkehr von Anselmino nach Dortmund war aufgrund des angespannten Verhältnisses zwischen den Vereinen nie ein ernsthaftes Thema. Stattdessen wechselte der Youngster per Leihe zu Chelsea-Farmteam Racing Straßburg.
Die Dortmunder müssen jetzt mit einem Verteidiger weniger die Saison beenden. Qualitativ und quantitativ wurde das Anselmino-Aus nicht aufgefangen. Fraglich bleibt, ob die Dezimierung des eigenen Kaders in der Form wirklich unausweichlich gewesen ist.
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